Vertraue keinem Heferl – Prey Review

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Bedrückende Atmosphäre der Spitzenklasse im Weltraum? Ja, bitte!

Man startet als Morgan Yu in einem Testlabor. Es fühlt sich nicht ganz richtig an, und schon kurz darauf geht alles den Bach runter. Mit einem Schraubenschlüssel in der Hand muss man nun gegen die sogenannten Typhon-Aliens vorgehen um von der Raumstation Talos I zu entkommen.

So sehen die Mimics aus, wenn sie nicht gerade ein Stuhl oder ein Medpack sind.

Nach der Einführung startet man in der großen Lobby, von der aus man den Rest der Station erkundet. Doch der Großteil der Türen ist verschlossen, noch dazu wandern mächtigere Versionen der Typhons herum. Also arbeitet man sich vorsichtig Raum für Raum durch, drischt auf jedes Objekt (könnte ja ein Mimic sein) und erreicht schließlich einen neuen Teil. So schaltet man Stück für Stück die einzelnen Stationen von Talos I frei, und öffnet Wege dazwischen. Später kann man dann fast frei durch das gesamte Areal spazieren, Weltraum inklusive.

Auch im Weltraum hört die Gruselatmosphäre nicht auf.

Um sich der unzähligen Widersacher zu entledigen stehen mehrere Waffen zur Verfügung. Abgesehen vom bereits erwähnte Schraubenschlüssel gibt es etwa die GLOO Cannon, Bauschaum in Waffenform. Die damit geschossenen Projektile bleiben an Oberflächen und Gegnern haften, blasen sich ein Stück auf und härten sofort aus. Typhons können sich nach kurzer Zeit wieder befreien, also sollte man entweder schnell Waffe  wechseln, oder weglaufen und sich verstecken. Wer es lieber klassisch mag, für den gibt es auch Pistole und Schrotflinte. Waffen können mit Upgrades versehen werden, für mehr Schaden, mehr Schüsse im Magazin etc.

Aber man muss nicht kämpfen, Schleichen ist ein valider Weg, der ebenfalls von der GLOO Cannon unterstützt wird. Man kann nämlich auch kreativ sein, und sich eigene Wege durch Levels basteln, die GLOO Geschoße bleiben allerdings nicht an sich selbst haften. All das wird durch das Neuromod-System unterstützt, das einfach eine nette Umschreibung für den Skilltree in Prey ist.

Die Qual der Wahl.

Neuromods findet man spärlich in Levels verteilt. Für jeden, den man findet, kann man einen Punkt für Fähigkeiten ausgeben. Zur Wahl stehen klassische Fähigkeiten wie das Hacken von diversen Gerätschaften, aber auch Ausgefalleneres wie die Typhon-Fähigkeit des Verwandelns. Während einfache Fähigkeiten billig zu haben sind, muss man sich später klar spezialisieren. Will man etwa als Kampfmaschine den Typhons in Zeitlupe zeigen, dass Menschen die überlegene Spezies sind, dann sollte man in Waffen und HP investieren.

Doch reines Kämpfen ist schwer – Munition ist knapp bemessen und es tauchen immer wieder neue Gegner in bereits besuchten Gebieten auf. Stärkere Gegner schlucken gefühlte 1000 Schüsse bevor sie den Geist aufgeben. Gut, dass es ein Crafting-System gibt, mit dem man selbst Munition produzieren kann. Dafür braucht man die überall verteilten Gegenstände wie etwa Zitronenschalen aus dem Mistkübel, oder Kabel. Aber auch diese Rohstoffe sind begrenzt, allerdings in ausreichender Menge vorhanden, sodass ich in meinem Playthrough nie komplett ohne Munition dastand.

Hi.

Später im Spiel erhält man einen Scanner, mit dem man mehr über Gegner erfahren, und auch ihre Fähigkeiten lernen kann. Der Scanvorgang ist allerdings ziemlich lästig, und nur kurz interessant. Viel besser sind die vielen Nebenquests, die es in Prey gibt. Während man Talos I erkundet trifft man immer wieder auf Personen, denen man helfen kann. Die Geschichte wird dadurch stark angereichert, denn die Quests geben viel Hintergrundwissen über die Typhons und sich selbst. Auch sind die Charaktere großartig geschrieben, und deutlich vielschichtiger als es scheint. Generell ist die Geschichte des Spiels ziemlich gut, wenn auch nichts Besonderes. Während man sich am Anfang noch fragt, wohin alles führen wird, dreht Prey gegen Ende hin mächtig auf.

Die Typhons produzieren auch diese schönen Fäden, wenn sie nicht gerade ein Medpack sind.

Grafisch ist Prey sehr stimmig, auch wenn nicht alle Texturen so scharf sind, wie man es gerne hätte. Der Sound ist ein wenig aufdringlich, trägt aber vor allem in Kämpfen viel zum Spiel bei. Es gibt einige Bugs, vor allem bei einer Hauptmission, bei der man ein Objekt im Weltraum suchen soll. Der Questmarker erschien nicht, und ich musste jeden Quadratmeter der Raumstation von außen absuchen. Zusätzlich ist die Steuerung des Inventars ein Krampf mit Maus und Tastatur.

Fazit

Prey ist sehr atmosphärisch. Ich überstrapaziere dieses Wort ein wenig, aber ein derart stimmiges Gesamtbild gibt es selten. Von Anfang bis Ende ist immer die Liebe zum Detail erkenntlich, alles ist verknüpft, jede lächerliche E-Mail auf einem Terminal hat eine Bedeutung. Das Spiel hat ein paar Bugs, die aber hoffentlich noch gefixt werden. Diese Hoffnung habe ich allerdings nicht für die Steuerung mit Maus und Tastatur, aber das ist immerhin nur im Inventar ein Problem. Alles in allem ein sehr gutes Spiel, das trotz starker Anleihen an Spiele wie System Shock einen eigenen Weg geht.

8.5 Great

+ Top-Atmosphäre
+ Glaubwürdige Charaktere und Story
+ Viele Freiheiten
- Ein paar Bugs
- Steuerung nicht für Maus und Tastatur optimiert
- Spätere Gegner etwas zu tanky

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Christian Novotny

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