Das ist Retro! – Dynasty Warriors 9

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Retrospiele können etwas Großartiges sein. Spiele, die Charme verbreiten, weil sie aussehen wie aus der Zeit gefallen. Und dann gibt es Spiele wie Dynasty Warriors 9. Das ist auch retro und sieht aus wie aus der Zeit gefallen. Nur auf eine Art und Weise, die statt Charme eher Angst und Schrecken verbreitet.

Vom Spielprinzip her schließt der neunte Teil der Dynasty Warriors-Reihe an die Vorgänger an. Ganz im klassischen Musou-Stil geht es vor allem darum, Gegner gleich zu Tausenden niederzumachen. Ein Schwung mit dem Schwert, schon sind wieder zehn umgefallen. Das macht zumindest kurzfristig immer noch Spaß und wird durch Elemente wie Spezialangriffe oder Konter aufgelockert. Die Rahmenhandlung dreht sich um das Ende der chinesischen Han-Dynastie, und für wen das episch klingt: Das soll es auch sein, ganze 83 Hauptcharaktere schnetzeln sich durch feindliche Heere.

Neu im neunten Teil ist ein Open World-Gerüst, das die Entwickler dem altgedienten Spielprinzip überstülpen. Die Helden kämpfen nicht mehr in abgeschlossenen Levels, sondern sind mehr oder weniger im Dauereinsatz auf einer riesigen offenen Karte mit Tag- und Nachtwechsel. Auf dieser sollen ständige Ereignisse das Spielerlebnis im Fluss halten, während ihr die Hauptstory vorantreibt. Das klingt im ersten Moment vielversprechend, nur macht die Praxis dem Ganzen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Wenn irgendein gesichtsloser Kommandant eurer Armee gegen einen ebenso gesichtslosen Kommandant der anderen Armee verliert und euch das in einer Einblendung gezeigt wird, dann wird euch das leider sehr oft sehr wurscht sein. Die Karte bleibt zum Großteil gähnend leer, gefühlt alle zwei Kilometer stößt der aktuelle Held auf ein bisschen Action. Dazwischen gibt’s graue Steppen, die ihr mit eurem Pferd überqueren könnt.

Die Motivation dafür aufzubringen, ist aber schwierig. Dynasty Warriors sieht stellenweise aus, als hätte es schon mindestens zehn Jahre auf dem Buckel. Matschige Texturen, ständiges Geruckel auch in nicht gerade intensiven Szenen sowie Gegner, die aus dem Nichts auftauchen, sorgen für Frust. Selbst in größeren Behausungen muss sich das Spiel schon mit Nebel hinweghelfen, um nicht alles laden zu müssen. Ein Beispiel: Das Erklimmen eines Wachturms führt zu einem epischen Rundumschwenk in die Landschaft, bei dem ihr das Bergpanorama in der Entfernung genießen könnt. Zumindest theoretisch, denn dass diese Berge eher sporadisch aufpoppen und sofort danach wieder verschwinden, sorgt für unfreiwillige Komik und lässt die Epik einschrumpfen.
Der Soundtrack geht in Ordnung. Orchesterklänge untermalen das Spiel, in Kampfszenen sorgt Rock für den notwendigen Adrenalinstoß. In Sachen Dialogvertonung sind wir aber wieder beim Stichwort „unfreiwillige Komik“ unterwegs, denn was die englischen Sprecher aufführen, ist wirklich nicht mehr feierlich. Vielleicht ist ihnen bei der Menge an Text aber auch einfach die Luft ausgegangen – 83 Charaktere plus haufenweise Nebendialoge sind halt doch ein bisschen viel.

Fazit

Was bleibt, ist Ärger über das verschenkte Potential. Die offene Welt wäre ein dringend benötigter Frischehauch für das Genre gewesen, aber in dieser Form haut das einfach nicht hin. Wo sich ältere Dynasty-Warriors-Teile durch das flüssige Kampferlebnis über das Fehlen von Innovationen hinwegretten, geht dieser Ausweg beim neunten Teil ebenfalls gehörig daneben. Zu unattraktiv und wie aus einer anderen Zeit wirkt das Spiel. Spätestens nach dem 2423. gesichtslosen Gegner, den ihr ruckelnd und begleitet von schwülstigen Kriegersprüchen umhaut, stellt sich dann doch Langeweile ein. Und die verworrene Story kann über die vielen Mankos einfach nicht hinweghelfen. Unterm Strich ist Dynasty Warriors 9 eine große Enttäuschung, die durch Patches höchstens auf ein mittelmäßiges Niveau gebracht werden kann.

4 Trash

+episches Setting
+altbewährter Flow beim Kämpfen
-veraltete Technik
-Bugs
-verworrene Story
-Open World leer

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